12. Sonntag im Jahr (15.06.15)                                                    Hiob38,1,8- 11

                                                                                                          2.Korinth. 5,14-17

                                                                                                         Markus 4,35-41

 

Einführung:

 

Brüder und Schwestern

 

Im heutigen Evangelium hören wir, dass Jesus im Boot ist, zusammen mit seinen Jüngern, und ans andere Ufer übersetzen will. Es ist gerade die Zeit des Sonnenuntergangs, die Zeit der nahenden Dunkelheit - Symbol der Angst - welche alle umhüllt.  

Ein Sturm überrascht sie, während Jesus ruhig schläft.

Angst ergreift die Jünger, die sich, angesichts der offensichtlichen Gleichgültigkeit ihres Meisters, einsam und verloren fühlen. In ihrer Angst schwingt auch unsere Frage mit, wo denn Gott ist, wenn es uns nicht gut geht und wenn das Vertrauen fehlt.

 

Am Anfang dieser eucharistischen Feier bitten wir um Umkehr des Herzens, der Quelle der Versöhnung und Gemeinschaft mit Gott und den Mitmenschen.

 

               - Herr, Licht der Völker, erbarme dich unser.

               - Christus, Retter der Welt, erbarme dich unser.

               - Herr, Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich unser.  

 

 

Predigt:

 

Ihr Lieben…

 

Es nähern sich die letzten Tagen meines zweijährigen Aufenthaltes hier in Italien. Da wollte ich wenigstens noch einmal am Meer sein, weil ich ein leidenschaftlicher Schwimmer bin. Am letzten Montag bin ich daher mit zwei Freunden in der Nähe von Pisa an den Strand gegangen. Leider war schlechtes Wetter, es blies ein starker Wind, die Wellen schlugen sehr hoch und ich fror. Deshalb lief ich einige Kilometer weit im Sand, am Strand entlang, ohne anzuhalten.

 

Als ich die Wellen des Meeres sah und auf der Haut spürte, da kam mir das Evangelium von heute in den Sinn. „Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu füllen begann.“ Zuvor hatte Jesus zu seinen Jüngern gesagt: „Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren.“ Die Bedeutung der Überfahrt ans andere Ufer, weist auf unser Leben hin. Wir leben wie in einem Boot, andere Boote sind neben uns, und wir befinden uns immer in Richtung des anderen Ufers, dem Himmel entgegen. Da gibt es manchen Sturm in unserem Leben. Oft hatte ich Angst und schrie genau so wie die Apostel: „Meister kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“

 

Und als ich dann die Spuren sah, die ich beim Laufen im Sand hinterlassen hatte, fiel mir die schöne kleine Geschichte ein, die ihr vielleicht auch kennt. Ich erzählesie euch:

 

Spuren im Sand

 

Eines Nachts hatte ich einen Traum:

Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.

Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,

Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.

Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,

meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war,

blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,

dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur

zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten

Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du

mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.

Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten,

meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.

Warum hast du mich alleingelassen, als ich dich
am meisten brauchte?“

Da antwortete er:
Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie

allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.

Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,

da habe ich dich auf den Armen getragen.“

 

 

 

Auch diese Geschichte erzählt von der Angst des Menschen, die dann im Menschen entsteht, wenn es so scheint, als würde Gott schlafen - wie im Evangelium - oder er würde uns alleine lassen. Aber ER antwortet:„Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr keinen Glauben?“ „Die Tage in denen du nur eine Spur im Sand gesehen hast, das sind die Tage, in denen ich dich auf meinen Armen getragen habe.“

Wirklich: Während ich so beim Laufen über die die letzten zwei Jahre hier in Italien nachdachte, und als ich dann auf mein ganzes Leben zurückschaute, ist mir einmal wieder klar geworden, dass ich nie allein gewesen bin, dass ich nie meinen Weg alleine gehen musste.Immer waren Freunde da, Brüder und Schwestern, sehr wertvolle Menschen, die mich begleitet und mich manchmal sogar getragen haben. Und auch ich konnte viele Menschen begleiten und ein kleines Stück ihres Weges tragen. Mein Herz war voller Freude und Dankbarkeit, weil mir deutlich war, dass in allen anderen immer der Herr selbst es war, der mich begleitet und getragen hat.

Dafür möchte ich immer und immer wieder von Neuem Gott und den Menschen danken.

 

Inzwischen war ich lange am Strand entlang gelaufen. Ich musste natürlich wieder zurück und daran denken, dass meine Freunde mich vielleicht mit Ungeduld erwarteten. Und siehe da: alle meine Spuren, die ich kurz zuvor  im Sand eingedrückt hatte, waren jetzt von den Wellen weggeschwemmt.

So kam mir erneut in den Sinn, dass auch dies ein Zeichen des Lebens sein kann. In kurzer Zeit – „Gott sei Dank“ weiß niemand, wann das sein wird – werden die Spuren, die ich auf dieser Erde hinterlassen habe nicht mehr da sein. Mich werden aber auch dann die Freunde erwarten, dort, auf der anderen Seite des Ufers, alle jene, die schon im Himmel sind. Und der Herr selbst wird mich erwarten mit all seinen Engeln und Heiligen. Auch davor müssen wir uns nicht fürchten, denn das wird das endgültige Ziel unseres Lebens sein.

 

Liebe Christen, der heilige Augustinus sagt zu seinen Gemeindemitgliedern:„ Ich will in den Himmel kommen, aber ich will nicht dorthingelangen ohne euch.

Liebe Brüder und Schwestern ich bin mir sicher, dass wir uns alle dort wiedersehen werden, am anderen Ufer. Aber heute feiern wir noch miteinander jetzt und hier die Gegenwart Gottes, die uns Jesus in der hl. Messe geschenkt hat.