Die folgende Predigt über das Beten vom Papst Franziskus hat mir so gut gefallen, dass ich sie als Einstieg in die Tage der Pilgerreise nach Cascia übernommen habe. Nicht nur dieser Gruppe will ich sie damit auch schriftlich anbieten, sondern allen Interessierten.

 

Was mir selbst  hier in Italien bisher sehr wertvoll wurde:

-       das tägliche Evangelium

-         Predigten vom Papst, endlich ein Papst, der meine Sprache spricht          

 

 

 

Was bedeutet „Beten“ – Wenn man das Erinnern vergisst – Papst Franziskus 141007.

Gal1.13-24; Lk 10, 38-42

 

Was bedeutet eigentlich beten? „Sich vor Gott an unsere eigene Geschichte zu erinnern. Weil unsere Geschichte die Geschichte Seiner Liebe zu uns Menschen ist.“

 

Oft erinnert die Bibel daran, dass Gott sein Volk erwählt und auf dem Weg durch dieWüste begleitet hat, das ganze Leben hindurch. D h. er ist dem Volk nahe gewesen, er hat es erwählt und versprochen, es in ein Land der Freude und der Zufriedenheit zu führen; er war mit diesem Volk auf dem Weg und hat mit ihm einen Bund geschlossen.

Aber darüber hinaus bedeutet das: Was Gott mit seinem Volk damals getan hat, das hat er auch mit jedem von uns getan und tut es immer noch. Ja, wirklich, wir sind von IHM erwählt. Dass es sich dabei um Gnade handelt, wird jedem einsichtig sein, wenn er sich nur fragt: „Warum bin ich denn Christ und bin nicht einer von dort, weit weg von hier, der nicht einmal etwas von Christus gehört hat?“ Es ist eine Gnade der Liebe, dass Gott auf dem Weg unseres Lebens mit uns geht, dass er an unserer Seite ist, dass er uns die Freude versprochen und einen Bund mit uns geschlossen hat.

Von daher ist die Einladung zu verstehen, dass wir uns im täglichen Gebet an diese Wirklichkeit erinnern sollen. Und es ist eine Erinnerung, die nicht abstrakt bleiben darf sondern konkret sein will, wie es der hl. Paulus in der ersten Lesung (Gal 1,13-24) aufzeigt, wenn er sagt: „Brüder, ihr habt sicher von meinem Verhalten aus der Zeit gehört, als ich Jude war: Ich habe die Kirche Gottes sehr heftig verfolgt und wollte sie vernichten.“

Um sich in den Gemeinden vorzustellen, beginnt der Apostel also nicht mit Worten wie: „Ich bin gut, ich bin der Sohn von diesem und habe einen adeligen Stand … “Im Gegenteil, er zeigt sich mit dem, was er ist: „Ich bin ein Verfolger gewesen, ich war schlecht“. In dieser Weise erinnert sich Paulus an seinen eigenen Lebensweg, und beginnt wirklich ganz am Anfang, wie seine Worte bezeugen: „Gott, der mich erwählt hat, schon im Schoß meiner Mutter, er hat mich aus Gnade berufen…“. Und eben das, das Gleiche, es gilt auch für uns Christen, für jeden von uns, weil er uns erwählt hat, und weil es seine Erwählung ist. Nicht wir haben gewählt. Es ist Gnade, es ist Geschenk.

 

Die Einladung zum Erinnern kommt aus der Beobachtung, dass dies heute unter uns keine weit verbreitete Gewohnheit ist. Wir vergessen schnell. Wir leben im Augenblick und vergessen dabei leicht unsere Geschichte. Dabei hat jeder von uns seine Geschichte: eine Geschichte der Gnade, eine Geschichte der Sünde und eine Geschichte des Weges. Deshalb tut es uns gut, auch mit unserer Geschichte zu beten. Genauso wie es Paulus tut, wenn er etwas von seiner Geschichte erzählt, wenn er sagt: „ER hat mich erwählt. Er hat mich berufen. Er hat mich geheilt. Er ist mein Begleiter auf dem Weg gewesen.“ So konnten auch die Leute, die sein Leben gekannt hatten, Gleiches sagen: „Es ist der, der uns einst verfolgt hat. Jetzt verkündet er überall den Glauben, den er ausrotten wollte“.

 

Das heißt, wenn sich jemand an das eigene Leben erinnert, gibt er damit Gott die Ehre. Auch das Erinnern an unsere Sünden, von denen uns der Herr befreit hat, bedeutet Gott die Ehre zu geben. Übrigens sagt auch Paulus, dass er sich nur zweier Dinge rühme: der eigenen Sünden und der Gnade des Gekreuzigten, Seiner Gnade. Kurz: Der Apostel hat sich seiner Sünden erinnert und sich damit sogar gerühmt ein Sünder gewesen zu sein, gerade deswegen, weil Christus der Gekreuzigte ihn davon befreit hat. Das war sein Erinnern. Zu diesem Erinnern werden auch wir von dem gleichen Jesus eingeladen.

 

Es genügt dabei, an das zu denken, was der Herr der Marta sagt: „Du kümmerst dich und tust viele Dinge, aber eines nur ist wichtig. Maria hat den besseren Teil gewählt“. Welchen Teil? Auf den Herrn zu hören und sich zu erinnern. Deshalb also kann man täglich nicht so beten, als hätten wir keine Geschichte gehabt. Jeder von uns hat seine eigene. Und mit dieser Geschichte im Herzen gehen wir beten. Das gute Beispiel dafür ist Maria. Und doch gleichen wir oft mehr der Marta, weil auch wir von der Arbeit des Tages müde sind, vom Erledigen der Dinge, die eben zu tun sind, und es endet oft damit, dass wir unsere Geschichte vergessen.

Dabei beginnt in unserer Geschichte die Beziehung zu Gott nicht erst mit dem Tag der Taufe: da wird sie nur besiegelt. In Wirklichkeit beginnt sie damit, dass Gott uns gesehen und erwählt hat, und zwar schon von Ewigkeit her. Kurz: Es ist eine Geschichte, die im Herzen Gottes beginnt. Beten bedeutet also, sich zu erinnern, dass Gott uns erwählt und uns auf dem Weg mit seinem Bund begleitet hat. Das heißt auch sich zu fragen, ob dieser Bund von uns geachtet wurde oder nicht. Und weil wir wesentlich Sünder sind, bedeutet beten deshalb vor allem, uns an das Versprechen zu erinnern, das Gott uns gibt und das uns niemals enttäuscht, seine Verheißung, die unsere Hoffnung ist.

 

Dieses wahre Beten könnte man in aller Demut mit dem Ps 138 beginnen, der als Zwischengesang der heutigen Liturgie gesungen wurde: „Herr, du erforscht mich und du erkennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von Ferne erkennst Du meine Gedanken. Du beschützt mein Gehen und mein Ausruhen. All meine Wege sind Dir bekannt. Du bist es, der meine Nieren geformt und mich im Schoß einer Mutter gewoben hat. Ich sage Dir Dank: Du hast mit mir ein erstaunliches Wunder vollbracht.“

Das heißt beten.

 

 

 

-         Augustinus in seinen Confessiones betet so!

-         Schreib in diesen Tagen Dein Erinnern,

           Deine Confessiones, bete !