Auferstehung des Herrn AT 10,34a37-43

                                                           Col 3,1-4

                                                           Gv 20,1-9

Einführung:

 

Brüder und Schwestern

Willkommen


Vorgestern am Karfreitag habe ich die lange Prozession gesehen, welche die Stadt Cascia durchquerte, begleitet vom Kreuz des Schmerzes. Menschen trugen und zogen  schwere und lange  Ketten. Nachdem ich mich den ganzen Karfreitag, am Vormittag mit dem Dornenweg durch das Kloster der hl . Rita, am Abend mit der Passion Jesu auseinander gesetzt habe, kam mir in den Sinn, dass ich an dieser Prozession teilnehmen müsste, da auch ich die Ketten deutlich an mir spürte. Dabei ging mir auf, was Tod und Auferstehung  Jesu wirklich bedeuten. Bis in meinen tiefsten Herzensgrund spürte ich die Größe und die Kraft der Liebe Gottes, die sich uns in Jesus zeigt, in seinem Tod und seiner Auferstehung. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, ein wenig  von Seiner Barmherzigkeit zu begreifen: Gott will von uns keine Opfer. Er will nicht mehr, dass wir uns Ketten anlegen oder Ketten anlegen lassen. Er schenkt uns seine Barmherzigkeit, seine Liebe in seinem Sohn Jesus, im Geheimnis von Ostern. Der Auferstandene sprengt endgültig all unsere Ketten. Der Auferstandene geht uns im Leben voraus. Es genügt, Vertrauen in seine Vergebung zu haben und ihm in Liebe zu folgen und das immer.

 

Nach dem Evangelium

 

In Deutschland gibt es ein Sprichwort, das sagt: „Wenn nichts mehr geht, dann geh, geh vorwärts, geh weg!“ Im Evangelium von Ostern hören wir oft, dass Menschen gehen, wandern, laufen.

Zwei Jünger Jesu, sehr enttäuscht darüber, was sich in Jerusalem ereignet hatte, waren unterwegs zu einem Dorf namens Emmaus. Jesus näherte sich ihnen und ging mit ihnen.

Am Anfang waren ihre Augen verschlossen und sie erkannten ihn nicht. Aber als sie ihn gebeten hatten “Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt“, da blieb Jesu zu Tisch mit ihnen, ihre Augen wurden geöffnet und sie erkannten ihn. Aber er entschwand ihren Blicken. Also standen sie auf und kehrten sofort nach Jerusalem zurück.

Maria Magdalena eilte am Morgen zum Grab. Als sie sah, dass der Stein vom Grab weggewälzt war, lief sie und ging zu Simon Petrus und zu den anderen Jüngern und auch sie verließen das Haus und eilten zum Grab.

Gehen auch wir ein Stück mit diesen Personen.  

Maria von Magdala  ging aus dem Haus, als es noch Nacht war, dunkel der Himmel, auch dunkel ihr Herz. Vielleicht  haben  auch einige von euch das Haus verlassen,  um an der Osternacht  teilzunehmen. Vielleicht war es dunkel in eurem Herzen und vielleicht ist es das immer noch. Maria hat nichts in ihren Händen, Sie trägt keine wohlriechenden Kräuter und Salben mit sich wie die anderen Frauen, sie hat nur ihre Geschichte, ihr Leben, eine Geschichte von zerbrochenen Ketten, der erlebten Auferstehung: ihr hatte Jesus sieben Dämonen ausgetrieben. Aber jetzt - Maria Magdalena ist enttäuscht. Sie rebelliert gegen die Abwesenheit Jesu. Wie schreibt der Philosoph Gabriel Marcel: “Lieben heißt, du wirst nicht sterben:“ Aber Jesus ist gestorben und begraben! Maria sieht, dass der Stein vom Grab weggewälzt ist und läuft zu Petrus und den anderen Jüngern, um sie zu benachrichtigen. Jetzt kann sie laufen, denn der Tag beginnt, jetzt muss sie laufen, denn in ihr brennt etwas -eine Sehnsucht, ein drängendes Verlangen, ein Beben.  Ein anderer, der Jünger, den Jesus liebte, lief am schnellsten. Ein mittelalterlicher Ausspruch bekräftigt dies: „Die Weisen gehen, die Gerechten laufen, die Liebenden fliegen.“ Er erreichte als erster das Grab, was bedeutet, dass er als erster die Bedeutung der Auferstehung verstand und an sie glaubte. Als erster, weil derjenige, der liebt, mit dem Herzen sieht. Wer liebt und sich geliebt fühlt, versteht mehr, versteht als erster, versteht am tiefsten.

Und die geliebte Maria sucht den Geliebten; sie sucht ihn weinend, sie sucht ihn im Garten, dort, wo man neues Leben sehen kann, dort wo das Leben nach dem Winter neu aufblüht. Das erste Wort, ausgesprochen vom Auferstandenen, ist an diese Geliebte gerichtet:“ Frau, warum weinst du?“

Es ist Jesus, es ist Gott, unser Gott, der sich für den Schmerz einer Frau interessiert, der sich interessiert für den Schmerz der Menschen, den Schmerz seiner Kreatur.

In seiner letzten Stunde am Kreuz lag ihm die Todesangst eines Räubers am Herzen; in der ersten Stunde von Ostern die Tränen einer Frau. Und er zittert gemeinsam mit dem zitternden Herzen seiner Freundin. Als sie ihren Namen hörte „Maria“ verstand sie plötzlich und wusste zu antworten: “Rabbuni!“

In der Welt ist sehr viel Weinen und Wehklagen, aber an Ostern geschieht Neugeburt: Des Lebens, der Hoffnung, es entstehen neue Horizonte und Tränen werden getrocknet. Der Auferstandene sieht alle, er kennt uns mit unseren Namen und erkennt uns mit unseren Ängsten.

Wer das Haus verlässt und geht, um ihn mit Sehnsucht zu suchen, wird seinen Namen im Herzen hören, ausgesprochen vom Auferstandenen und er wird begreifen, dass die Liebe Gottes nie endet.

Ihr Lieben.. Wir alle sind aus unserem Haus gegangen und sind gekommen, den Auferstandenen zu suchen. Wenn wir unser Herz öffnen, werden wir ihn überall finden, ihm in jeder Person begegnen.  Und von Neuem werden wir hören: „Geht! Der Auferstandene geht euch voraus nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.“ Galiläa ist überall dort, wo wir unser tägliches Leben leben.

Geh vorwärts, lieber Pilger. Der Auferstandene, der all deine Ketten löst, geht dir voraus und begleitet dich.


Die hl. Rita hatte großes Leid in ihrem Leben zu tragen. Aber sie ging immer vorwärts.  Eine Geschichte erzählt, dass sie vom Scoglio zum Kloster geflogen ist. Rita hat gesucht und hat ihren Geliebten überall gefunden. Auch sie begleitet uns auf unseren Wegen.