Predigt( Dt 4,1-9; Mt 5,17-19)


 

Meiner Ansicht nach ist es nicht leicht zu verstehen, was das Wort Gottes uns heute sagen will. Es ist nicht leicht vor Gott und den Menschen in eigener Verantwortung zu leben, wie Jesus es getan hat. Es ist nicht leicht nach unserem Gewissen zu leben.

„Ich bin nicht gekommen das Gesetz oder die Propheten aufzuheben, sondern sie zu erfüllen:“ Was bedeutet das? Was will uns Jesus mit diesem seinem Wort und seinem Verhalten sagen?

Wir wissen, dass die Schriftgelehrten und Pharisäer sich sehr genau und streng an die Gesetze und Normen gehalten haben, die ihnen Mose gelehrt hat. Deswegen haben sie mit Jesus gestritten und wollten ihn töten. Jesus wollte die volle Erfüllung des Gesetzes und sie haben es nicht begriffen.

Und wir, haben wir es begriffen?

Moses hat gesagt:“Pass auf dich auf und  achte gut darauf, dass du nicht die Dinge vergisst,  , die deine Augen gesehen haben,  damit sie dein ganzes Leben lang nicht aus deinem Herzen fliehen: lehre sie auch deinen Söhnen und den Söhnen deiner Söhne.

Liebe Brüder, liebe Schwestern, all das, was unsere Augen von früher Kindheit an gesehen haben , alles,was wir von unseren Eltern oder Großeltern erfahren haben, ist in uns und  bleibt in unseren Herzen unser ganzes Leben: sowohl das Gute als auch das Schlechte.

Ich erzähle ein Beispiel aus meinem Leben: Nach dem 2. Weltkrieg habe ich meiner Mutter in der Küche zugesehen, als sie Butter machte, um sie zu verkaufen.( Wir waren Bauern und hatten einige Kühe) Als meine Mutter ein halbes Kilo abwog , fügte sie immer noch etwas dazu und erklärte es uns mit den Worten Jesu: “Mit dem Maß mit dem Ihr messen werdet, wird auch euch gemessen und euch wird immer noch etwas hinzugegeben . (Mk4,24) Dieses Wort habe ich nie vergessen und es wird  ein ganzes Leben in meinem Herzen bleiben. Auch andere Worte und Verhaltensweisen meiner Eltern sind tief in mir, auch solche, die mir heute nicht gefallen. Ich bin sicher, dass auch ihr viele Beispiele  aus eurem Leben erzählen könnt.

Das ist die Voraussetzung  zu folgen, dass wir in unserer eigenen Verantwortung wachsen und nach unserem Gewissen leben können.

Auch meine Eltern waren Menschen, nur Menschen, wie alle anderen Eltern. Ich darf nicht denken oder sagen: ich verhalte mich so wie ich es von meinen Eltern gesehen und gelernt habe. Nein! Heute muss ich mein Verhalten verbessern und wie ein erwachsener Mensch leben, verantwortlich für mich selbst.

Aber wie macht man das? Wie hat es Jesus gemacht?

Obwohl er wunderbare Eltern hatte, machte  er sich unabhängig von ihnen als er 12 Jahre alt war, indem er sagte:“Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ Und  bei der Hochzeit von Kana hat er seiner  Mutter geantwortet: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde  ist noch nicht gekommen?“

Das ist auch unsere wichtigste Aufgabe in unserem Leben: Unseren Gott zu hören, unseren Herrn in unseren Herzen zu hören und unabhängig von den Menschen zu werden.

Es ist nicht leicht! Das ist ein sehr langer und schwieriger Weg. Beim Suchen dieses schweren Weges hilft uns das Gebet, die tägliche Übung und das Beispiel der Heiligen.

Der hl. Augustinus ist einen sehr langen Weg gegangen, 34 Jahre lang, bis er sich selbst und seinen Vater im Himmel gefunden hat, oder besser gesagt, bis er er seinen Vater im Himmel und sich selbst  gefunden hat. Vielleicht hat er so lange suchen müssen, weil sein Vater und seine Mutter so verschieden waren.

Ist das nicht genauso aktuell in unserer Zeit? Ein Jugendlicher von heute muss wissen und will ausprobieren, wie das richtige Leben ist.

Auch die hl. Rita hat jeden Tag von Neuem gesucht: Welches ist der Wille des Herrn? Vielleicht war es eine große Hilfe für sie, dass beide Eltern ihr ein gutes Beispiel gegeben haben. Oft ist das Beispiel des Vaters für das Leben sehr wichtig ebenso für das Mädchen wie für den Jungen. (Erinnert euch an die Predigt von P.Ludovico vergangenen Mittwoch, am Fest des hl.Josef, in der er unterstrichen hat, wie wichtig Josef als  Vater für Jesus war!) Vielleicht hat auch so die hl. Rita durch das Beispiel ihres Vaters leichter den Gott der Liebe, des Erbarmens  und des Friedens gefunden. Und so wusste sie in ihrem Leben das Gesetz Gottes zu erfüllen- wie Jesus es  getan hat bis zu seinem Tod am Kreuz.