140523 ven5.sett del Tempo di Pasqua(At15,22-31; Gv15,12-17)

(Einführung)

Gestern habe ich mit großer Freude und viel Dankbarkeit die hl. Messe zu Ehren der hl. Rita hier im Kloster von Cascia gefeiert, da wo sie seit Jahrhunderten gegenwärtig ist.

Heute kann ich mit euch in dieser Kapelle die Messe feiern, da wo  ich schon  mit vielen deutschen Pilgern gefeiert habe. Wo auch immer in diesen Tagen sie sein mögen, sie werden an Cascia denken. Gestern Abend sind schon drei meiner Freunde gekommen, die zu der Gruppe gehören, mit der ich dann in den nächsten Tagen Exerzitien halten werde.

Alle Verehrer der hl. Rita auf der ganzen Welt sind in diesen Tagen mit uns verbunden, durch Jesus Christus, der uns heute Morgen hier zusammenführt.

Wir gedenken eigentlich immer unserer Heiligen, die mitten unter uns sind.

Mein Freund, Bruder Mario, sagt oft, dass dieser oder jener ein Heiliger sei, ein Mann Gottes.

In der Tat, er drückt damit eine große Wahrheit aus. Wir wissen gut, dass wir alle Männer und Frauen Gottes sind, wir sind schon Heilige durch die Taufe und sind dazu berufen als Heilige zu leben. Oft merken wir aber, dass wir von der wahren Heiligkeit sehr weit entfernt sind. Auch heute sagt uns Jesus im Evangelium, wie ein Heiliger sein sollte. Heilige sind diejenigen, die einander lieben, sowie uns Jesus geliebt hat, sogar bis zur Hingabe am Kreuz.

Bitten wir um Verzeihung, wenn es uns nicht gelingt nach seinen Geboten  zu leben, wenn wir nicht in seiner Liebe bleiben und weit entfernt sind von der Heiligkeit.

  • Herr, du bist der Weg, der uns zum Vater führt, erbarme dich.

  • Christus, du bist die Wahrheit, die die Völker erleuchtet, erbarme dich.

  • Herr, du bist das Leben, das die Welt erneuert, erbarme dich.


 

140523ven 5. Sett del Tempo di Pasqua (At. 15,22-31; Gv15,12- 17)


 

Ja, da haben wir es also gestern gefeiert, das Fest der hl. Rita. Es hat mir sehr gut gefallen, in diesen vergangenen Tagen der Osterliturgie die Evangelien von Johannes zu hören. Er spricht mit großer Zärtlichkeit von den Christen, wie sie mit ihrem Meister Jesus Christus verbunden sind, der gestorben und auferstanden ist,  und jetzt mitten unter uns lebt. Z.B.:

Jesus, der Auferstandene kennt jeden von uns mit seinem Namen, sowie der gute Hirte seine Schafe kennt, und sie hinausführt in die Freiheit.

Er ist die Türe für die Schafe. Jeder, der eintreten und durch diese Türe geht, wird Weide finden und  gerettet werden.

Der Auferstandene ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Durch ihn kommen wir zu seinem Vater, und so werden auch wir Seine Söhne und Töchter. Wenn wir auf Christus schauen, wie er lebt, wie er liebt, wie er empfängt, wie er den Weg des Kreuzes geht, begreifen wir Gott und unser christliches Leben.

Jesus ist der wahre Weinstock, sein Vater der Winzer, und wir sind die Reben. Jesus will, dass wir mit diesem Bild vom Weinstock und den Reben begreifen, wie stark die Verbindung ist, die besteht zwischen Ihm und den Seinen. Ein Rebzweig lebt und gibt Frucht einzig allein, wenn er mit dem Weinstock verbunden bleibt. Wenn er abgeschnitten wäre, würde er austrocknen und sterben. Verbunden zu bleiben mit dem Weinstock ist daher wesentlich für die Triebe. Die eigentliche Verbindung zwischen Jesus und seinen Jüngern, also auch zwischen Jesus und uns, ist seine Liebe und Freundschaft  mit uns. Wir sind nicht seine Knechte, sondern seine Freunde. Das hat er an jenem Abend vor seinen Tod gesagt, als er seinen Jüngern die Füße gewaschen hat: „Niemand hat eine größere Liebe als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde. Bleibt in meiner Liebe, in meiner Freundschaft!“ Ihr seid meine Freunde, wenn ihr das tut, was ich euch auftrage. Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!“


 

Ihr Lieben… schon früher war ich der hl. Rita verbunden. Aber seitdem ich in Cascia bin, erlebe ich sie mir noch näher. Seitdem ich hier lebe, kann ich ihr Leben noch tiefer begreifen, auch wenn ich es vorher schon gekannt habe. Ich glaube, dass Rita  die heilige Schrift gut gekannt hat, diese Worte Jesu, die Gleichnisse  und die schönen Bilder, mit denen er seine Liebe zu uns, seinen Auserwählten und Geliebten verdeutlichte. Ich bin überzeugt, dass sie  davon schon in ihrer Kindheit von ihren Eltern und später dann auch von den Augustiner-Patres gehört hat. Wenn sie nach der hl. Messe, auf dem Weg zwischen Cascia und Roccaporena  nach Hause zurückkehrte, erwog sie im Herzen diese Worte der hl. Schrift. Wenn sie ihre kleine Schafherde, die ihr die Eltern anvertrauten,  auf die Weide führte, stiegen in ihr diese Bilder von Jesus, dem gutem Hirten auf.

In der damaligen Zeit gab es noch kein Fernsehen und keine Tageszeitung. Beim Frühstück interessierte es sie nicht, welche Fußballmannschaft am vergangenen Tag  gewonnen hatte, oder was in der weiten Welt geschehen war. Ich glaube, dass sie am Morgen mit ihrem Freund Jesus aufgewacht ist und aufstand, dann am Abend mit Gedanken und Worten an Ihn zu Bett ging. Eine Legende erzählt, dass das Dach ihres Hauses nach oben hin geöffnet gewesen sei. Auch das bedeutet, dass sie mit dem Himmel verbunden war, dass sie  im Laufe des Tages gebetet hat, und ganz nah bei Jesus war.

Außerdem hat sie die Schönheit Gottes jeden Tag in der Natur gesehen, nicht nur wenn sie auf den Scoglio in Roccaporena  gestiegen ist. Sie hat mit dem Schöpfer gesprochen, der alles so schön gemacht hat. Sie hat gebetet, indem sie einfach mit ihm redete und Ihm von ihrem Leben erzählte. So ist in ihr das große Feuer der Liebe gewachsen, das immer mehr ihr Herz erfüllt hat. Christus, der gestorben und auferstanden ist für uns, ist - im wahrsten Sinne des Wortes -  ihr Geliebter und ihr Bräutigam geworden. Und dieser Bräutigam hat sie durch ihr Leben und durch ihren Tod getragen und hält sie noch heute in Seinen Händen. Niemand und nichts konnte sie trennen von der Liebe und Freundschaft mit Jesus, keine Freude, keine Angst, kein Leid und kein Schmerz. Ihr Bräutigam, Jesus Christus, war im Zentrum ihres Herzens, und so konnte sie sich dem Willen Gottes überlassen. Sie war verbunden mit Jesus, so wie die Rebzweige mit dem Weinstock, so konnte sie leben und Frucht bringen in jeder Situation ihres Lebens.


 

So hat sie ihren Bräutigam Paolo di Fernando di Mancino geliebt.

So hat sie ihre Söhne geboren und geliebt, Gian-giacomo  Paolo-maria.

So war sie fähig ihre Familie den Händen Gottes zu überlassen, den Mördern zu vergeben und sogar Frieden mit den verfeindeten Familien zu schließen.

So konnte sie den dürren Weinstock ohne Wurzeln gießen. (Ich erinnere an das Wunder des vertrockneten Weinstocks  im Kloster, den sie  zum Austreiben gebracht hat und der bis heute noch Frucht  bringt)

So wollte sie mitleiden  mit Jesus, dem Gekreuzigten und mit allen Menschen, die unter ihrem Kreuz gelitten haben und mit denen, die bis heute noch darunter leiden.

So ist es ihr gelungen den Dorn der Krone von Jesus 15 Jahre lang zu tragen und ihm dann nach ihrem Tod zurückzugeben.

So hilft sie vielen Leuten, die auf ihre Fürsprache vertrauen und den vielen Pilgern, die nach Cascia kommen.

Vor allem aber  ist Rita für uns alle ein gutes Vorbild des christlichen Lebens.

Wenn wir betrachten wie sie gelebt hat, wie sie geliebt hat, wie sie empfangen hat, wie sie den Dorn angenommen hat, begreifen wir Gott und das christliche Leben.

Wie die hl. Rita, so tragen auch wir manchen großen Dorn in unserem Leben. Aber es ist gut, nach ihrem Beispiel Gott niemals zu verlassen. Vielmehr dürfen wir ihm all unsere Schwierigkeiten anvertrauen, denn Gott  kann auch uns, wie der hl. Rita, eine schöne, duftende Rose schenken.


 

Für mich ist die hl. Rita eine große Freundin im Himmel, wo auch meine Mutter ist, die sie sehr verehrt hat. Rita hat mich durch das ganze Leben begleitet bis ich sogar ihr augustinischer Mitbruder geworden bin, und das bis heute noch bin. Ich hätte mir nie vorstellen können, was da alles in meinem Leben geworden und geschehen ist. Viele Wunder habe ich erfahren, große und kleine:
Ich bin am 22. Mai geboren. Gestern ist an diesem Tag in meinem Zimmer eine schöne Blumenknospe aufgebrochen. Am 24. Mai bin ich zum Priester geweiht worden, morgen sind es 45 Jahre her. Und jetzt bin ich hier, um mit euch und meinen Freunden dem Herrn Jesus  und der hl. Rita von Cascia für all das zu danken, was geschehen ist.