Augustinus, Traktat über das Joh Ev 65  (Nokturn, Do 4. Owo)

Ein neues Gebot gebe ich Euch Gebot gebe ich Euch

 

Der Herr Jesus versichert, dass er seinen Aposteln ein neues Gesetz gibt. „Ich gebe euch ein neues Gebot, dass ihr euch einander liebt.“ (Joh 13,34)

Aber gab es dieses Gebot nicht schon im Alten Testament, wenn da vorgeschrieben wird: „Du sollst deinenNächsten lieben wie dich selbst“? Warum also nennt es der Herr ein neues Gebot, wenn es doch ein altes zu sein scheint? Ist es vielleicht deshalb ein neues Gebot, weil man einen alten Menschen auszieht, um einen neuen anzuziehen? Sicher! Er macht den Menschen neu, der auf ihn hört oder besser gesagt, der ihm gehorcht. Aber die Liebe, die den Menschen neu macht ist keine rein menschliche. Es ist die Liebe, die der Herr unterscheidend bezeichnet mit denWorten: “Wie ich euch getan habe“ (Joh 13,34).

Das ist die Liebe, die uns erneuert, damit wir neue Menschen werden, Erben des Neuen Bundes, Sänger eines neuen Liedes. Diese Liebe, geliebte Brüder (und Schwestern), hat auch die Gerechten des alten Bundes neu gemacht, die Patriarchen und die Propheten, wie dann auch die Apostel. Diese Liebe macht jetzt alle Völker und das ganze menschliche Geschlecht auf der ganzen Erde neu und gestaltet so ein neues Volk, den Leib der neuen Braut des eingeborenen Sohnes Gottes, über die im hohen Lied der Liebe gesungen wird: Wer ist die, die in leuchtendem Weiß dem Bräutigam entgegengeht (vgl. Hld 8,5)? Natürlich im leuchtenden Weiß, weil sie neu geworden ist. Und durch was denn sonst, wenn nicht durch das neue Gebot?

Deshalb sind auch die Glieder umeinander besorgt. Wenn ein Glied leidet, leiden alle mit ihm, und wenn eines geehrt wird, freuen sich alle mit ihm (vgl. 1 Kor 12,25f). Sie hören und setzen das in die Tat um, was der Herr lehrt: „Ich gebe euch ein neues Gebot, dass ihr einander liebt“ (Joh 13,34), aber nicht wie man die liebt, die verführen, und auch nicht wie man die Menschen allein schon deshalb liebt, weil sie Menschen sind. Sondern so, wie man die liebt, die Götter sind und Söhne des Allerhöchsten, damit alle Brüder (und Schwestern) des einzigen Sohnes sind. Sie sollen sich gegenseitig mit der gleichen Liebe lieben, mit der ER die Menschen geliebt hat, seine Brüder (und Schwestern), um sie dorthin führen zu können, wo die Sehnsucht nach seinen Gütern gesättigt wird (vgl. Ps 103,5). DieseSehnsucht wird dann vollständig befriedigt sein, wenn Gott alles in allen sein wird (vgl. 1 Kor 15,28).

Das ist die Liebe, die uns der schenkt, der uns beauftragt hat: „Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben“ (Joh 13,34). Zu diesem Zweck hat er uns also geliebt, damit wir uns gegenseitig lieben. Er hat uns geliebt und gewollt, dass auch wir uns, in gegenseitiger Liebe verbunden, zusammen finden sollten, damit wir der Leib des höchsten Hauptes sind und seine Glieder, die durch ein so süßes Band miteinander verbunden sind.

„Lachen macht jung,  Liebe macht schön.“ (Finnland)