Augustinus, aus „Gespräche“,….(Nokturn, Mi 20.Wo. i J.)

Wer bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet werden (Mt 10,22)

 

Immer, wenn wir Bedrängnisse oder Nöte durchstehen müssen, sind sie für uns Einladung zur Achtsamkeit, und zur gleichen Zeit auch Hilfen, uns zu korrigieren. In der Tat, auch die hl. Schrift verspricht uns nicht einfach Frieden, Sicherheit und Ruhe. Im Gegenteil, das Evangelium verbirgt uns nicht Nöte, Bedrängnisse und Ärgernisse. Sei aber gewiss, dass „gerettet wird, wer bis zum Ende standhaft bleibt“ (Mt 10,22). Vom ersten Menschen haben wir nichts Gutes geerbt, im Gegenteil, den Tod und das Böse, weswegen Christus kommen musste, um uns davon zu erlösen.

Deshalb sollten wir nicht jammern und nicht murren, liebe Schwestern und Brüder. Davor warnt uns auch der Apostel Paulus, wenn er sagt: „Einige von ihnen murrten und fielen dem Vernichter zum Opfer“ (1 Kor 10,10). Gibt es etwas Neues oder Ungewohntes, liebe Schwestern und Brüder, das die Mensch von heute erleiden, und das nicht schon unsere Väter erlitten hätten? Können wir nicht vielmehr bestätigen, dass wir ebensolche Nöte erleiden, wie sie auch jene aushalten mussten. Und dennoch wirst du Menschen finden, die über ihre Zeit jammern, in der Überzeugung, dass nur die vergangenen Zeiten schön gewesen wären. Aber man kann sicher sein, dass diese, wenn sie sich in die Zeiten ihrer Vorfahren zurückversetzen könnten, genauso lamentieren würden. Wenn du wirklich jene vergangenen Zeiten, für gut findest, dann ist die Frage, warum jene Zeiten heute nicht auch die deinigen sind.

In der Tat verstehe ich nicht, wie du von dem Moment an, da du vom Bösen schon befreit bist, da du schon den Glauben an den Sohn Gottes hast und eingeführt worden bist in den Glauben und in die hl. Schriften, denken kannst, dass Adam bessere Zeiten gekannt hätte. Auch deine Eltern haben das Erbe Adams getragen. Es ist doch gerade Adam, dem gesagt worden ist: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen und sollst die Erde bearbeiten, von der du genommen bist. Sie wird Dornen und Disteln für dich hervorbringen“ (vgl. Gen 3,19 u 18).

Schau doch, was er verdient hat, was er erhalten hat, und schau, was ihm das gerechte Gericht Gottes auferlegt hat. Warum also glaubst du, dass die vergangenen Zeiten besser gewesen wären als die deinen? Bedenke gut, dass dem Menschen, vom ersten Adam an bis zum Menschen von heute, Arbeit, Schweiß, Nöte und Dornen auferlegt sind. Erleben wir vielleicht die Sintflut? Sind denn über uns so furchtbare Zeit herein gebrochen mit Hunger und Kriegen wie früher, um unser Jammern gegen Gott auf Grund der jetzigen Zeit zu rechtfertigen?

Denkt also daran, wie die früheren Zeiten wirklich waren. Wenn wir die Geschichte der früheren Ereignisse hören und lesen, sind wir da nicht vielleicht eher mit Schauder erfüllt?
Deshalb haben wir doch eher Grund, uns zu freuen, als über unsere Zeiten zu jammern.

 

(Christoph: Wieder einmal eine Predigt von Augustinus, die wir hier in Cascia in den vergangenen Tagen in der Matutin hörten. Sie hat mich spontan angesprochen, weil ich viele Menschen erlebt habe und kenne, die immer wieder „die früheren, ach so guten alten Zeiten“ hoch leben lassen oder schimpfen, vor allem über „die Jungend von heute“. Ich bete darum, dass ich vor solchem moralischen Lamentieren bewahrt bleibe. Einmal mehr staune ich über die Weisheit und Weitherzigkeit unseres Ordensvaters und bin dankbar dafür. Weil in den kommenden Tagen sein Fest gefeiert wird, kam mir Gedanke, diese kurze Predigt einmal wieder mit Euch „augustinisch-unterwegs“ Pilger - und wer sie auch immer liest - gerne zu teilen.)