Fest der hl. Apostel Simon Petrus und Judas (Abschied von den Augustinerinnen in Cascia) Eph 2,19-22; Lk 6,12-19


 

Wie alle zwei Jahre, so habe ich auch in den letzten Tagen für 45 deutsche Pilger und Pilgerinnen, die die hl. Rita verehren, Exerzitien gehalten. Gestern sind sie abgereist. Ich bleibe noch bis morgen oder übermorgen hier. So ergibt sich die gute Gelegenheit, euch für den Aufenthalt hier zu danken und euch in einer hl. Messe, die wir gemeinsam feiern, Adieu zu sagen.

Wir feiern heute zwei der 12 Apostel, Simon und Judas. Ihre Namen lesen wir im Verzeichnis des Evangelisten Lukas. Grund genug, uns daran zu erinnern, dass sie von Christus ausgewählt wurden, drei Jahre seines öffentlichen Lebens mit ihm zu teilen, um dann - gestärkt durch den Heiligen Geist - in die Welt gesandt zu werden, sein Reich zu verkünden und Zeugen seiner Auferstehung zu sein.

Ihr Lieben… Auch wir sind von dem selben Christus erwählt, mit Ihm die Jahre unseres Lebens zu teilen. Wir wurden durch den selben Heiligen Geist gestärkt, das Reich Gottes zu verkünden und Zeugen seiner Auferstehung zu sein, jeder von uns an seinem Platz, da wo wir gerade leben: Ihr, liebeSchwestern, hier, nahe bei der hl. Rita, in diesem Kloster, ich von jetzt an in San Gimignano.

Rund ein Jahr habe ich hier mit euch in Cascia gelebt. Der Aufenthalt war für mich, wie wir heute in der ersten Lesung hören werden, „aufgebaut auf dem Fundament der Apostel und der Heiligen“, und wie wir im Evangelium hören werden, war es wie ein „mit Jesus auf den Berg steigen, um zu beten und seine Stimme zu hören“. Diese Lesungen sind schön, um von diesem Heiligen Ort Abschied zu nehmen, vor allem von der Hl. Rita, die ich sehr verehre.


 

Zusammengekommen an diesem Ort, zu dieser Eucharistiefeier, haben auch wir auf einen Ruf des Herrn, unseres einzigen Meisters, Jesus Christus, geantwortet. Damit wir Ihm auf den leuchtenden Straßen des Heils folgen können, bitten wir um Befreiung des Herzens von jedem Angriff des Bösen.

Herr, du rufst uns jeden Tag aufs Neue zur Umkehr. Öffne unsere Herzen für Dein Wort und hab Erbarmen mit uns.

  • Herr, du machst uns zu deinen Jüngern und zu Menschenfischern. Mach uns zu Zeugen deines Evangeliums und hab Erbarmen mit uns.

  • Herr, du hast dein Reich verkündet, indem du jede Art von Krankheit geheilt hast. Heile die Übel unseres Geistes und hab Erbarmen mit uns.  


 


 

Fest der hl. Apostel Simon Petrus undJudas (Abschied von den Augustinerinnen in Cascia) Eph2,19-22; Lk 6,12-19

(Predigt)


 

Ihr seid“ hat der hl. Paulus an die Epheser geschrieben, das heißt auch „wir sind“: „Wir sind Mitbürger, Heilige und Hausgenossen Gottes; wir sind auf dem Fundament der Apostel gebaut. Der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammen gehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. Durch ihn werden auch wir durch den Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut.“

Mitten unter uns haben wir immer ein einzigartiges Beispiel: im Leib der hl. Rita können wir einen Heiligen Tempel Gottes sehen, um zu begreifen, dass auch wir Wohnung Gottes durch den Hl. Geist sind.

Und im Evangelium haben wir gehört: „in diesen Tagen rief Jesus seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; er nannte sie Apostel.“

Auch wir sind seine Apostel, seine Apostel von heute. Und wir steigen mit Jesus auf einen Berg, um zu Gott zu beten, nicht nur einmal, sondern öfters und immer wieder, damit wir nicht vergessen, dass Er uns erwählt hat.

Liebe Schwestern, hier in Cascia bin ich oft auf den Berg Meraviglia gestiegen. Auf einen Berg zu steigen bedeutet für mich, nicht nur zu Fuß dorthin zu gehen, sondern es bedeutet mehr. Für mich ist der gesamte Aufenthalt des vergangenen Jahres in Cascia wie das Hinaufsteigen auf einen Berg gewesen, um zu beten. So waren - ich will nur einige Beispiele nennen - die heiligen Messen, die ich zelebrieren durfte, die Donnerstage der hl. Rita und ihr Fest am 22. Mai, die Besuche im Kloster mit den Pilgern und Pilgerinnen und auch die Exerzitien, die ich mit den Deutschen hier gehalten habe, sehr wichtig.
Ich danke Gott und ich danke euch für alle Möglichkeiten, mit deren Hilfe ich den Berg Gottes besteigen konnte.

Was könnte das für euch bedeuten „auf den Berg zu steigen“, um im Alltagsleben nicht zu vergessen, dass Gott uns erwählt hat?


 

Im Evangelium haben wir gehört: „Jesus stieg mit ihnen den Berg wieder hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seinerJünger.“ Als Jesus ein andermal auf den Berg Tabor stieg, nur mit drei Aposteln: Petrus, Johannes und Jakobus, da wollte Petrus drei Hütten bauen. Es hat ihm gefallen, das Gesicht Jesu im Licht Gottes zu sehen und sein Gewand weiß und glänzend. Er wollte deshalb nicht weggehen, er wollte in dieser Erfahrung bleiben. Er hat etwas geahnt vom großen Glück des Lebens. Aber sie mussten wieder nach unten steigen, um von Neuem den anderen Aposteln und dem Volk zu begegnen.Wenn wir etwas Schönes erfahren haben, möchten auch wir gerne eine Hütte bauen und in dieser Situation des Glücks verweilen. Aber wir müssen hinuntersteigen. Wir dürfen deshalb solche schönen Dinge erleben, damit die Sehnsucht nach unserem eigentlichen Ziel in uns wächst, dem Paradies des Himmels, und damit wir in unserem Leben wieder gestärkt sind, wenn wir uns an einem Ort in der Ebene, das heißt im Alltäglichen, in der Gewohnheit jeden Tages aufhalten. Mein „Ort in der Ebene“ wird ab jetzt San Gimignano sein.   


Hierher nach Cascia und auch nach San Gimignano kommen viele Menschen aus aller Welt. Was wollen sie eigentlich, was suchen sie? „Sie waren gekommen, um Jesus zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden.“ Alle Leute suchten ihn zu berühren.“

Ihr Lieben Schwestern, das dürfen wir nie vergessen: Alle Menschen sind krank, manchmal krank am Körper, manchmal krank an der Seele, und oft an beidem. Alle suchen nicht uns, sondern sie suchen Jesus. Sie wollen nicht uns berühren, nicht einmal die Hl. Rita, sondern Jesus,weil von Ihm eine Kraft ausgeht.

Wenn die Menschen uns sehen und berühren, oder sogar auch dann, wenn sie die hl. Rita sehen und berühren, müssen wir wissen, dass es immer Gott ist, der durch uns Menschen handelt.
Wir können und müssen zu Gott beten und vertrauen, dass der Geist Gottes in allen Menschen guten Willens das bewirkt, was Jesus im Leben der hl. Rita in ihrer Seele und an ihrem Leib sichtbar gemacht hat.


 

Auch dann, wenn ich in San Gimigniano sein werde, werde ich die Heilige nicht vergessen, die mich durch mein ganzes Leben und auch im vergangenen Jahr begleitet hat. Ich danke Gott und der hl. Rita und ich danke euch. Ich bitte euch für mich zu beten, wie ich es auch für euch tun will.


 

Ich traue mich, mit einem Witz abzuschließen:

In Deutschland lebte ein Augustinerpater aus Polen. 

Er konnte nicht gut Deutsch sprechen. Deshalb hat er oft am Ende der Predigt einen Witz erzählt. Den folgenden habe ich von Ihm gehört. Ich habe ihn auch in Italienisch gefunden:


 

Ein berühmter Prediger starb und kam ins Paradies, wo er bemerkte, dass ein Taxifahrer aus seiner Stadt einen besseren Platz im Himmel hatte als er.

Da eilte er schnell zum Petrus, um sich zu beschweren.

Das kann ich nicht verstehen. Das muss ein Irrtum sein. Ich habe mein ganzes Leben dem Predigen geweiht.“

Der hl. Petrus antwortete: „Wir belohnen die Ergebnisse. Erinnern Sie sich der Wirksamkeit Ihrer Predigten, Hochwürden!

Ungern war der Pastor gezwungen zuzugeben, dass ab und zu einer von den Gläubigen während der Predigt eingeschlafen war. (So auch hier geschehen, bei mir, liebe Schwestern :-))!)

Genauso ist es gewesen!“, sagte der hl. Petrus. „Als dagegen die Leute ins Taxi dieses Mannes gestiegen sind, da sind sie nicht nur sehr wach geblieben, sondern sie haben auch gebetet.“


 


 

(Nach dem Kommunion-Gebet)


Ihr habt das Kommuniongebet mit „Amen“ bekräftigt, so wie wir es immer wieder tun.

Amen“ ist ein hebräisches Wort und drückt die Vertrauenswürdigkeit Gottes aus, der wie ein Fels ist, auf dem wir das Haus unseres Lebens sicher bauen können. Mit diesen zwei Silben bestätigen wir unser Vertrauen in Gott, der der Garant aller Worte ist, aller Wahrheiten, aller Versprechen von Liebe und Freude, die im Glaubensbekenntnis enthalten sind.

Unsere Gebete mit „Amen“ abzuschließen bedeutet, dass wir uns Gott anvertrauen, dass wir uns ihm überlassen, dass er das Heil in unserem Leben erwirken möge, das unsrige und das unserer Mitmenschen.
Auch ich sage „Amen“ und bitte Gott, dass er uns segne:  + + +.